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Ikebana Buch

 

Ikebana -

Blumenkunst für jeden Anlass

 

 

von Ayako Graefe

 

mit vier Arrangements von Doris Wolf

 

 

 

Naturstruktur

 

In letzter Zeit herrscht ein Trend zu bewusster Ernährung, besonders vitaminreiches Obst und Gemüse wird empfohlen. Vermutlich brachten die Kreuzfahrer den Blumenkohl, auch Karfiol genannt, nach Europa. Heute ist er als Blütengemüse in allen Ländern und in mehreren Variationen verbreitet. Bei farbigen Sorten entstehen grüne und violette Blütenstände durch die Lichteinwirkung während des Wachstums. Der Romanesco wurde zuerst in Rom gezüchtet. Das Besondere ist seine fraktale Struktur: Die Struktur des ganzen Kopfs wiederholt sich im Kleinen immer wieder.

Form und Farbe des Gemüses motivieren zur Verwendung in einem Arrangement. Den Kontrast zur „Masse“ bilden die „Linien“ aus Tomatenranken, deren Früchte farblich schattiert sind. Mit Ikebana kann man die Schönheit des Nahrungsmittels gut zur Geltung bringen.

 

 

 

Kühle Eleganz

Ausgangspunkt für dieses Arrangement mit Gemüse war eine Obstschale aus Metallstäben. Ihre Form erinnert an ein Mikado-Spiel oder an Zweige, die abgefallen sind und zufällig neben- und übereinanderliegen. Das unkonventionelle Design wird durch die Art der Anbringung – frei hängend – noch gesteigert. Das weiche, runde Pflanzenmaterial bildet einen Kontrast zum technisch hart wirkenden geradlinigen Metall. Die Komplementärfarben violett und hellgrün der Aubergine und des Chicoree harmonieren sehr gut mit dem silberfarbigen Gefäß, so dass eine kühle Eleganz entsteht. Runde Radieschen geben dazu einen Akzent.

 

 

 

 

Innere Schönheit (mit Anleitung) 

 

Obst und Gemüse zählen zum traditionellen Ikebana-Material, gelegte Arrangements wie Morimono sind in Japan seit der Edozeit üblich. Auch beim modernen Ikebana arbeitet man gerne damit.

Ayako Graefe hat 2005 bei einer Demonstration in Wien ein Arrangement aus Rotkohl gezeigt. Mein jetziger Besuch in ihrem Studio war eine willkommene Gelegenheit, diese Technik auszuprobieren.

Man braucht dazu ein großes, scharfes Küchenmesser und ein Schneidbrett. Zuerst wird der Rotkohl, auch Rotkraut genannt,  einmal quer durchgeschnitten, dabei kommt ein überraschendes „Muster“ zu Tage. Danach wird er in der Höhe der Schale geschnitten und in das Gefäß gelegt,  bzw. eingeklemmt. Die restliche Fläche kann man mit quer durchgeschnittenem Salatherzen und Chicoree füllen und aufgeschnittenen Paprika als farblichen Akzent zufügen. Wichtig ist dabei, dass die Schale mit dem Material gut ausgefüllt wird, damit beim Aufstellen nichts heraus fällt. So entsteht eine Flächengestaltung ohne Steckhilfsmittel, die an eine abstrakte Landschaft erinnert.

Da das Gemüse nach dem Arrangieren noch gegessen werden soll, ist es wichtig, Keramik mit ungiftiger Glasur, z. B. eine Auflaufform, zu verwenden. Auch Glasgefäße sind geeignet. Eine Rundrandschale ist günstig, wenn die Arbeit aufrecht gestellt werden soll.

 

 

 

Ess-Bahn

 

Für dieses Tischarrangement zum Kindergeburtstag habe ich Obst und Gemüse gewählt.

„Tragendes Element“ sind Äpfel. Schon als Kind haben mich die rot-gelben Schattierungen der Äpfel im Garten fasziniert. Die grünen Salatherzen stehen im Kontrast zu den Servierschälchen aus rotem Plexiglas. Dass die Form des Gemüses von Natur aus einmalig ist, zeigen die roten Spitzpaprika deutlich. Die Kombination der lustigen Paprika und der Schale aus Plexiglas erinnert an eine Schnecke. Bei Kindern sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt.  Die aneinander gereihten Schalen könnten auch Waggons einer Bahn sein. Essbare Arrangements aus Obst und Gemüse kommen bei Kindergeburtstagen immer gut an.

 

alle Fotos Ayako Graefe